Liebe am Arbeitsplatz

„Geht gar nicht!“ vs. „Warum nicht?“

In Versuchung ist wahrscheinlich jeder schon einmal gekommen. Oder zumindest in die Nähe der Versuchung. Aber empfiehlt es sich wirklich, aus einem harmlosen Flirt am Arbeitsplatz mehr werden zu lassen?

So lange man nicht selbst betroffen ist, neigt man erfahrungsgemäß eher zu der Position „Geht gar nicht!“. Und es gibt tatsächlich ein paar handfeste Argumente, die schwer zu widerlegen sind:

Affären am Arbeitsplatz schüren Neid und Eifersucht. Besonders Frauen reagieren oft mit Stutenbissigkeit oder fiesen Mobbingattacken, wenn eine andere Frau Erfolg hat. Oft wird dann vermutet, dass sie aus der Affäre mit einem Kollegen oder gar dem Chef auch noch andere Vorteile zieht. Damit souverän umzugehen, ist alles andere als leicht. Und wie soll man erst damit umgehen, wenn es nur ein kurzes Strohfeuer war, das nach ein paar privaten Treffen schon wieder verglüht ist? Wie die Schadenfreude der Kolleginnen und Kollegen n i c h t an sich ‘rankommen lassen und so tun müssen, als wäre nichts gewesen?

Doch leider hilft einem beim Thema „Liebe am Arbeitsplatz“ der Verstand herzlich wenig. Wir sind alle Menschen und vieles passiert, ohne dass wir es geplant hätten. Was tun, wenn einen die Gefühle übermannen und die STOP-Taste außer Betrieb gesetzt ist? Nichts ist aufregender als verbotene Liebe. Und so ein junger, smarter, gutaussehender Bürohengst bietet sich als wunderbare Projektionsfigur für geheime Liebessehnsüchte an. Wenn frau z.B. abends mit ihrem Freund oder Mann auf dem Sofa vorm Fernseher sitzt und er sich nörgelnd durch die Programme zappt, schon stundenlang nicht mehr in ihre Richtung geschaut oder in irgendeiner Weise mit ihr kommuniziert hat, da könnte es passieren, dass ihr der junge smarte Kollege in den Sinn kommt. Das geht natürlich auch umgekehrt: Die hübsche Sekretärin, die immer gut aussieht, immer gute Laune und immer den richtigen Spruch auf den Lippen hat, wirkt auf jeden Fall noch viel attraktiver, wenn es zuhause nicht mehr so richtig läuft.

Daher gibt es genauso viele Argumente für den Standpunkt „Warum nicht?“: Wo soll man denn jemanden kennenlernen, wenn man den ganzen Tag arbeitet? Am gemeinsamen Arbeitsplatz ist auf jeden Fall schon mal eine Grundvertrautheit gegeben und man hat automatisch viele Gemeinsamkeiten und Gesprächsthemen. Dagegen sind Partnersuche per Online-Partnerschaftsbörsen oder Blind-Dates immer auch mit einem Risiko verbunden. Außerdem motiviert eine Affäre am Arbeitsplatz ungemein. Der größte Stress perlt an einem ab, man macht gerne und freiwillig Überstunden und bleibt dabei immer gut gelaunt.

Um dieses Feeling nicht kaputtzumachen und Neidern keine Chance zu geben, empfiehlt es sich allerdings, nicht gar zu dick aufzutragen. Man muss ja nicht gleich übertreiben und den Kollegen eine Liebesperformance vorführen. Es geht auch dezent. Man sollte versuchen, den Schwerpunkt der neuen Beziehung aufs Privatleben zu verlagern und sich im Büro etwas zurückzunehmen. Dann steigen auch die Chancen, dass die Kollegen und Kolleginnen sich zurückhalten und die Beziehung mit der Zeit akzeptieren.