Eifersucht

Leider stimmt der alte Spruch wirklich: „Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.“ Auf jeden Fall ist sie ein Gefühl, das sich bestens dazu eignet, seine innersten Ängste auf den Partner zu projizieren. Natürlich hat Eifersucht meistens einen aktuellen Grund bzw. Auslöser. Und natürlich tut es wahnsinnig weh, wenn man plötzlich entdeckt, dass der Partner sich für jemand anderen interessiert. Oder gar, dass man betrogen wird. Da können dann neben der Eifersucht auch noch andere unschöne Gefühle aufwallen: Trauer, Wut, Verzweiflung bis hin zu Mordgelüsten.

Doch bei manchen Menschen ist Eifersucht ein Grundgefühl, dessen Ursprung in der Kindheit liegt und das durch bestimmte Auslöser immer wieder getriggert werden kann. Darum ist es auch so schwer zu ertragen. Fühlt man sich doch in dieselbe Situation in der Kindheit zurückversetzt, in der man (meist auf ein Geschwister) rasend eifersüchtig war oder in Momenten größter seelischer Not ungerecht und kaltherzig abgewiesen wurde. Und es war niemand da, der sich um einen kümmerte, der einen tröstete. Die verletzten Gefühle, die uns bei solchen Erfahrungen übermannten, sind irgendwo ganz tief in uns abgespeichert. Darum erinnert man sich meist auch nicht bewusst an die betreffende(n) Situation(en) in ferner Vergangenheit. Und normalerweise klappt es ja auch wunderbar: Solange man nichts mit dem Thema zu tun hat, weil man zum Beispiel gerade keine Beziehung hat, muss man sich seine Verletzlichkeiten auch nicht anschauen. Es ist fast so, als hätte man keine. Doch die Seele vergisst nichts. Und sobald ein „geeigneter“ Auslöser die Harmonie ins Wanken bringt, können genau die Gefühle hochkommen, die man so erfolgreich in den Keller verbannt hatte.

Bei Problemen in einer Beziehung hilft immer, zuerst einmal nach innen zu schauen und zu versuchen, die eigenen Verletzungen aufzuspüren. Versuchen zu verstehen, warum man an diesem oder jenem Punkt so empfindlich reagiert, bevor man die gesamte Schuld und Verantwortung seinem Partner anlastet. Sonst wird die Beziehung leicht zu einem Kriegsschauplatz, es wird gebrüllt und gezetert und man kommt keinen Schritt weiter.

Auf der praktischen Ebene helfen vor allem klare Abmachungen. Dabei gibt es keine allgemein gültigen Verhaltensregeln, sondern jedes Paar muss seinen individuellen Kompromiss finden. Es gibt Pärchen, die eine offene Beziehung leben und Liebesabenteuer mit Dritten zulassen. Manche erzählen sich sogar ihre jeweiligen Erlebnisse und verstehen sich trotzdem als d a s Liebespärchen, das durch nichts und niemanden auseinander gebracht werden kann. Andere lassen Affären mit Dritten zu, möchten aber von den Abenteuern des Partners nichts wissen. In den meisten der Fälle gehen die Abmachungen eines Paares jedoch in Richtung gegenseitige Treue. Zugelassen wird allerhöchstens, dass man sich draußen Appetit holen darf – „ABER GEGESSEN WIRD ZUHAUSE!!!“

Hier die Worte von Honoré de Balzac aus dem 19. Jahrhundert: „Eifersucht ist wie Salz: ein bisschen davon würzt den Braten, aber zuviel macht ihn völlig ungenießbar.“ Oder andersrum gedacht: Wenn gar kein Salz am Braten ist, schmeckt er auch nicht. Ein wenig Eifersucht hilft auf jeden Fall, das Feuer der Liebe am Leben zu halten.

Treue – ein heikles Thema

Für Treue gibt es keine festgeschriebenen Regeln. Dafür aber umso mehr Wünsche, Erwartungen und Ansprüche. Natürlich wird niemand gerne betrogen. Auf der anderen Seite hat jeder Mensch auch schon mal ein oder auch mehrere Fremdgeh-Erlebnisse gehabt, und sei es nur in der Fantasie.

Treue, bis dass der Tod Euch scheidet – ist das wirklich so erstrebenswert? Kleben wir nicht alle in unseren Vorstellungen an der happy end-Schlusseinstellung eines jeden alten Hollywood-Liebesfilms, in der die Liebenden sich nun endlich gefunden haben und in einem innigen Kuss für immer und ewig miteinander verschmelzen? Was eventuell nach diesem innigen Kuss kommen könnte, wird in Hollywoodfilmen nicht gezeigt. Um Gottes willen – nein!!! Für alle Zeiten werden diese Frau und dieser Mann sich innig küssen, wahnsinnig lieben, nie streiten, sich immer schön und attraktiv finden und ihre Krisen – wenn es überhaupt welche geben sollte – supergut meistern. Und genauso denken auch wir. Eine Beziehung muss alles bieten: emotionale Heimat, Stabilität und sexuelle Erfüllung. Und zwar für immer!

Dieser berühmte Leinwand-Kuss mit allem, was er impliziert, hat sich tief in die Seele unserer westlichen Kultur eingeprägt. Er besiegelt grenzenlose Liebe, bedingungslose Treue und ewigen Beistand. Leider hat dies mit der Realität so gut wie gar nichts zu tun. Im wirklichen Leben geht es nicht immer so schön problemlos dahin, es gibt Umwege, Irrwege und Stolpersteine, es gibt handfesten Beziehungskrisen, Trennungen auf Zeit, Versuchungen und Verführungen überall. Und Christian Morgenstern hatte recht, wenn er meinte: Wer sich selbst treu bleiben will, kann nicht immer anderen treu bleiben.

Dies soll aber nun kein Plädoyer für Untreue werden. Im Gegenteil: Treue ist etwas Wunderschönes, solange sie aus freiem Willen geschieht. Oder, wie ein chinesisches Sprichwort sagt: Wenn Treue Spaß macht, dann ist es Liebe. Genau das ist der Punkt. Was aber, wenn Treue nicht mehr Spaß macht?

In unserer heutigen Zeit greifen viele alte Modelle nicht mehr. Das gilt auch für das

Zusammenleben von Mann und Frau. Das Modell der Ehetreue stammt aus Zeiten, in denen die Frau noch keine Möglichkeit hatte, sich selbst und eventuell auch noch Kinder zu ernähren. Zumindest nach außen wahrte man den Schein einer glücklichen Ehe und spielte sich Treue vor. Die gute Nachricht: Heute hat man die Möglichkeit, die für einen am besten passende Form zu wählen und muss sich nicht mehr allgemein gültigen Normen unterordnen.

Es gibt so viele verschiedene Formen, eine Beziehung zu leben, wie es Menschen gibt. Es gibt Pärchen, die immer zusammen und ein Leben lang miteinander glücklich sind. Es gibt aber auch andere Paare, die sich nicht weniger lieben, aber gegenseitig genügend Freiraum lassen für eigene Erlebnisse. Oder Paare, die aus beruflichen Gründen wenig Zeit miteinander verbringen können und sich trotzdem sehr lieben. Die Kunst besteht darin, die Partnerin bzw. den Partner zu finden, die oder der gleich oder zumindest ähnlich tickt. Denn wenn man selbst hohe Erwartungen an Treue hat und sich mit einem notorischen Fremdgänger zusammentut, wird man ganz sicher niemals glücklich.