Liebe auf den ersten Blick

Es gibt fast nichts Schöneres im Leben: Vollkommen unerwartet passiert es, mitten im Leben, an der Kasse eines Supermarktes, irgendwo am Bahnhof oder in der U-Bahn, am Badesee oder im Wartezimmer eines Arztes. Und in Sekundenschnelle verändert sich das Leben – manchmal für immer. Man blickt in die Augen eines wildfremden Menschen und es ist um einen geschehen. Das hat nicht unbedingt etwas mit überragender Schönheit oder Eleganz dieses wildfremden Menschen zu tun. Ganz im Gegenteil. Es ist ein Moment, der jeder Logik und wissenschaftlichen Nachvollziehbarkeit entbehrt. Ein Moment, den man nicht versteht, aber umso mehr fühlt. Er gleicht der chemischen Wirkung zweier Elemente, die beim Erstkontakt zusammen explodieren, ein Feuerwerk an Lust und Leidenschaft entfachen, das auch bei größter Selbstdisziplin kaum zu stoppen ist. Wie ein überstarker Magnet zieht es die gesamte Aufmerksamkeit in nur noch eine Richtung. Man kann sich auf nichts mehr konzentrieren, man hat kein Interesse mehr an anderen Dingen und man kann und will an nichts anderes mehr denken. Man hat das Gefühl, füreinander bestimmt zu sein, seine(n) Partner(in) gefunden zu haben.

Paolo Coelho meinte dazu: „Wenn zwei Menschen sich begegnen, die füreinander bestimmt sind, dann ist keine Eile geboten, weil das Unausweichliche sowieso geschieht.“ Ob aus der Liebe auf den ersten Blick langfristig etwas wird und in welche Richtung „das Unausweichliche“ geht, kann man natürlich nicht vorhersagen. Schon gar nicht garantieren.

o wunderbar die Erfahrung auch sein mag – man sollte Eines nicht vergessen: Nun ist es besonders wichtig, nicht nur Augen und Ohren, sondern alle Sinne offen zu halten, denn gerade am Anfang jeder Beziehung offenbaren sich Charaktereigenschaften des anderen, die sich eventuell später zu einem Riesenproblem auswachsen können. Und gerade am Anfang, wenn man sozusagen blind vor Liebe ist, neigt man dazu, alles auch nur ansatzweise Negative zu verdrängen. Dabei könnte man gerade jetzt aus kleinen Bemerkungen, Gesten oder Verhaltensweisen so viel Information über den Partner ziehen. Wenn er oder sie zum Beispiel beim ersten Date im Café über ein schreiendes Baby am Nachbartisch lästert („Kindergeschrei kann ich überhaupt nicht ertragen!“), wenn er als erster durch die Schwingtür rast und gar nicht wahrnimmt, dass sie die Tür auf die Nase bekommt oder wenn sie ihn die ganze Zeit unterbricht und nicht ausreden lässt.

Was einem so alles „auf den ersten Blick“ auffällt, ist von großer Bedeutung. Und auch hier gilt wieder: Erst einmal nach innen fragen, bevor es zu spät ist. Warum ist gerade dieser Mensch für mich so attraktiv? Was (außer der Kraft der Hormone) macht gerade sie/ihn für mich so anziehend? Tut sie/er mir wirklich gut?

All diese Fragen sind wichtig, wenn man dabei ist, sich zu verlieben. Denn ganz am Anfang kann man gegebenenfalls noch schnell die Reißleine ziehen, bevor man irgendwann rettungslos verloren ist.

Eifersucht

Leider stimmt der alte Spruch wirklich: „Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.“ Auf jeden Fall ist sie ein Gefühl, das sich bestens dazu eignet, seine innersten Ängste auf den Partner zu projizieren. Natürlich hat Eifersucht meistens einen aktuellen Grund bzw. Auslöser. Und natürlich tut es wahnsinnig weh, wenn man plötzlich entdeckt, dass der Partner sich für jemand anderen interessiert. Oder gar, dass man betrogen wird. Da können dann neben der Eifersucht auch noch andere unschöne Gefühle aufwallen: Trauer, Wut, Verzweiflung bis hin zu Mordgelüsten.

Doch bei manchen Menschen ist Eifersucht ein Grundgefühl, dessen Ursprung in der Kindheit liegt und das durch bestimmte Auslöser immer wieder getriggert werden kann. Darum ist es auch so schwer zu ertragen. Fühlt man sich doch in dieselbe Situation in der Kindheit zurückversetzt, in der man (meist auf ein Geschwister) rasend eifersüchtig war oder in Momenten größter seelischer Not ungerecht und kaltherzig abgewiesen wurde. Und es war niemand da, der sich um einen kümmerte, der einen tröstete. Die verletzten Gefühle, die uns bei solchen Erfahrungen übermannten, sind irgendwo ganz tief in uns abgespeichert. Darum erinnert man sich meist auch nicht bewusst an die betreffende(n) Situation(en) in ferner Vergangenheit. Und normalerweise klappt es ja auch wunderbar: Solange man nichts mit dem Thema zu tun hat, weil man zum Beispiel gerade keine Beziehung hat, muss man sich seine Verletzlichkeiten auch nicht anschauen. Es ist fast so, als hätte man keine. Doch die Seele vergisst nichts. Und sobald ein „geeigneter“ Auslöser die Harmonie ins Wanken bringt, können genau die Gefühle hochkommen, die man so erfolgreich in den Keller verbannt hatte.

Bei Problemen in einer Beziehung hilft immer, zuerst einmal nach innen zu schauen und zu versuchen, die eigenen Verletzungen aufzuspüren. Versuchen zu verstehen, warum man an diesem oder jenem Punkt so empfindlich reagiert, bevor man die gesamte Schuld und Verantwortung seinem Partner anlastet. Sonst wird die Beziehung leicht zu einem Kriegsschauplatz, es wird gebrüllt und gezetert und man kommt keinen Schritt weiter.

Auf der praktischen Ebene helfen vor allem klare Abmachungen. Dabei gibt es keine allgemein gültigen Verhaltensregeln, sondern jedes Paar muss seinen individuellen Kompromiss finden. Es gibt Pärchen, die eine offene Beziehung leben und Liebesabenteuer mit Dritten zulassen. Manche erzählen sich sogar ihre jeweiligen Erlebnisse und verstehen sich trotzdem als d a s Liebespärchen, das durch nichts und niemanden auseinander gebracht werden kann. Andere lassen Affären mit Dritten zu, möchten aber von den Abenteuern des Partners nichts wissen. In den meisten der Fälle gehen die Abmachungen eines Paares jedoch in Richtung gegenseitige Treue. Zugelassen wird allerhöchstens, dass man sich draußen Appetit holen darf – „ABER GEGESSEN WIRD ZUHAUSE!!!“

Hier die Worte von Honoré de Balzac aus dem 19. Jahrhundert: „Eifersucht ist wie Salz: ein bisschen davon würzt den Braten, aber zuviel macht ihn völlig ungenießbar.“ Oder andersrum gedacht: Wenn gar kein Salz am Braten ist, schmeckt er auch nicht. Ein wenig Eifersucht hilft auf jeden Fall, das Feuer der Liebe am Leben zu halten.