Neue Liebe nach einer langen Beziehung?

Die meisten Menschen haben nach einer langen Beziehung erst einmal die Nase voll. Das Herz ist gebrochen und man ist plötzlich gezwungen, sich als Single vollkommen neu im Leben zu definieren. Das kann sich anfühlen wie ein Neuanfang nach einer Naturkatastrophe: Man hat das Gefühl, alles verloren zu haben und niemand sagt einem, wie man am besten darüber hinwegkommt.

Manche ziehen sich nach einer Trennung zurück und haben überhaupt keinen Bedarf an Zweisamkeit. Beziehungsweise können sich eine neue Beziehung noch nicht einmal vorstellen, weil ja quasi alle Liebes-Rezeptoren noch vom letzten Beziehungspartner besetzt sind. Egal, wen man möglicherweise kennenlernt und wer sich möglicherweise für einen interessiert – es ist alles nicht der e i n e Partner, mit dem wir zusammen waren und den wir als Maßstab für alle zukünftigen Partnerschaften ansetzen. So negativ die Beziehung auch gewesen sein mag – aber man hängt oft an dem, was man gewohnt ist, als gäbe es nichts anderes auf der Welt.

Bei vielen ist es aber genau umgekehrt, und sie ergreifen nach der Beendigung einer langjährigen Beziehung jede sich bietende Chance, um sich zu vergnügen, jemanden an ihrer Seite zu haben und möglichst nicht über die Trennung nachdenken zu müssen. Und vor allem auch, um den Schmerz und den Liebeskummer nicht fühlen zu müssen.

Regeln, wie man es richtig machen sollte, gibt es auch hier nicht. Aber Beispiele, wie Menschen sich nach einer langen Beziehung verhalten haben, gibt es so viele wie Sand am Meer. Von Fällen, die nach einer Trennung nie mehr eine andere Beziehung hatten und für den Rest ihres Lebens allein blieben, bis hin zu der Geschichte, wo jemand kurz nach Ende der Beziehung die Liebe seines Lebens kennenlernte, heiratete und glücklich wurde.

Jeder Mensch ist anders und jede Beziehung ist anders. Am besten ist man wohl beraten, wenn man auf seinen Instinkt hört. Wenn man sich genau so verhält, wie man es von innen heraus spürt. Vielleicht ist für den einen Party und Abfeiern die richtige Therapie, für den anderen erst einmal ein Urlaub allein in den Bergen. Ob man gleich wieder in eine neue Beziehung hineinstolpert oder erst einmal eine lange Pause einlegt – jeder sollte für sich wissen, was ihm gut tut.

Es gibt eigentlich nur eine Sache, auf die man unbedingt achten sollte: Dass man sich nicht gleich wieder das selbe Beziehungsmuster sucht, das man ja eigentlich gerade beendet hat. Es gibt tatsächlich Frauen, die laufen wie ferngesteuert dem nächsten Typen in die Arme, der sie genau wie der letzte wieder betrügt und schlecht behandelt. Und genauso rasen auch Männer oft blindlings wieder in die selben Beziehungsstrukturen, unter denen sie doch so gelitten hatten.

Aldous Huxley formulierte es einmal so: Erfahrung ist nicht das, was einem zustößt. Erfahrung ist das, was man aus dem macht, was einem zustößt. Mit anderen Worten: Nicht eine gescheiterte Beziehung macht uns um eine Erfahrung reifer, sondern die Art und Weise, wie wir damit umgehen und was wir daraus lernen.

Streit

In jeder Beziehung kommt es ab und zu zum Streit. Und das ist auch gut so, denn ein handfester Streit kann wie ein klärendes Gewitter sein: Wenn sich zu viel Spannung aufgebaut hat, muss sie sich entladen. Dann blitzt und donnert es solange, bis die Luft rein ist und die Sonne wieder scheinen kann. Darum heißt es auch in einem Sprichwort: „Zwist unter Liebesleuten hat nicht viel zu bedeuten“.

Doch was, wenn aus dem „ab und zu“ „die ganze Zeit“ wird, und die Sonne gar nicht mehr scheinen will? Bevor der Streit zum Dauerzustand wird und man sich gegenseitig immer wieder mit denselben Vorwürfen bombardiert, empfiehlt es sich, bewusst eine kleine Auszeit zu suchen und ein bisschen tiefer nachzudenken. Da kann ein Wellness-Wochenende in den Alpen hilfreich sein, ein Abend mit einem Menschen, der gut zuhören kann, ein Tag am See oder ein Spaziergang ganz alleine im Wald. Wichtig ist, dass man ‚rauskommt aus dem gewohnten Ambiente, um sich einmal ganz den wesentlichen Fragen zu widmen. Was läuft schief in meiner Beziehung? Was ist es, das mich am anderen so wahnsinnig aufregt? Warum ändert sie/er sich nicht und warum kann ich nicht aufhören, sie/ihn ändern zu wollen? Ist da wohlmöglich eine Seite in mir, die ich vielleicht (noch) nicht sehen kann? Liegt da etwa ein Nerv offen, der schon bei der leisesten Berührung zu schmerzen beginnt? Und wenn – warum?

Es gibt Menschen, die brauchen Streit als sexuellen Stimulus. Ohne Streit keine Lust. Doch meistens ist es genau umgekehrt: Streit tötet Lust. Wie auch immer – man sollte auf alle Fälle immer darauf achten, den Partner beim Streiten nicht zu verletzen. Und es gibt Möglichkeiten, seinen Frust zu formulieren ohne den anderen zu beleidigen. Anstatt zu zum Beispiel den anderen anzuschreien und mit IMMER- oder NIE-Sätzen in der Rolle des Bösewichts festzunageln, ist es besser, von den eigenen Gefühlen zu sprechen. Denn um die geht es ja, wenn man sich ärgert. Also nicht: „Du kommst IMMER zu spät!“ oder „Du bist NIE pünktlich!“, sondern lieber: „Weißt Du, ich fühle mich wirklich verarscht, wenn ich so lange auf Dich warten muss.“ Oder einfach mal eine andere, positive Variante ausprobieren wie z.B.: „Gehst Du bitte Einkaufen? Danke!“ und nicht: „IMMER muss ich einkaufen gehen!“

Manchmal steckt man allerdings so sehr im Schlamassel, dass man gar nichts mehr sieht und überhaupt nicht mehr klar denken kann. Gottseidank gibt es für solche Fälle professionelle Hilfe. Und natürlich kann es auch einfach passieren, dass man an einem Punkt angekommen ist, ab dem man nicht mehr zusammen leben will und kann. Zu unterschiedlich sind die Welten, zu groß die Kluft, die sie trennt. Manchmal ist es auch für einen der beiden einfach der falsche Zeitpunkt, oder man stellt erst nach einer Weile fest, dass man den anderen nicht „riechen“ kann. Und manchmal soll es eben einfach nicht sein.

Die Kunst besteht darin, herauszufinden, ob ein gemeinsamer Weg möglich ist oder nicht. Wenn nicht, war es immerhin eine Erfahrung, aus der man hoffentlich so viel gelernt hat, dass man sie nicht gleich wieder mit der oder dem Nächsten wiederholen muss.

Und, zu guter Letzt ein kleiner Trost: Andere Mütter haben auch schöne Töchter/Söhne!